„Man muss wissen, was man will. Und vor allem, was nicht.“

Sie war ein großer Fan der Neuen Zürcher Zeitung. Und hat sich einfach beworben. Ohne Schreiberfahrung. Wer Eier zeigt, hat Erfolg. Meret Baumann ist so ohne große Umschweife in ihrer Traumkarriere gelandet. Den Jungen rät sie, vor allem zielstrebig zu sein und nichts zu machen, was einem am Sonntagabend Bauchweh bereitet.

Von Johanna Schwarz

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Fotocredit: Florian Lechner

Meret Baumann, Jahrgang 1978, ist  Auslandskorrespondentin der Neuen Zürcher Zeitung für Ungarn und Österreich in Wien. Den konkreten Wunsch, Journalistin zu werden hatte sie eigentlich nicht, sie war einfach, seit sie 15 war, ein großer Fan der NZZ. Deshalb bewarb sie sich auch nur dort für ein Volontariat. Beim Bewerbungsgespräch mit dem damaligen Auslandschef Hans-Rudolf Kamer gestand sie sofort, keinerlei Erfahrung mit dem Schreiben zu haben. Er erklärte, dass das nun wirklich kein Problem sei: „Schreiben kann man lernen“.

Von ihrem Einstieg bei der NZZ erzählt Meret Baumann ohne Selbstgefälligkeit, vielmehr dürfte ihr die Begeisterung für Politik den Job gesichert haben. „Politik ist ein Hobby für mich, ich lese und beobachte sie wie Geschichten.“ Selbst am Abend und im Urlaub hört sie nicht auf, Politik-Geschichten zu verfolgen. Als Anstrengung empfindet sie die permanente Informationsfindung dabei nicht. „Ich bin glücklich und froh, eine Arbeit zu haben, bei der ich mich Sonntagabend auf die Woche freue und nicht wie manche Leute mit Bauchweh und Grauen vor Montag schlafen gehe. Das halte ich für sehr wichtig. Auch wenn ich mit meinem Jura-Studium vielleicht irgendwann mehr verdienen würde“.

Hält sie weitere Tipps für uns junge Journalisten bereit? „Es hilft zu wissen, was man will. Aber auch und vor allem was man nicht will. Oft weiß man das natürlich erst, wenn man es ausprobiert hat. Aber wenn es mir nicht gefällt, dann muss ich es lassen und etwas Neues ausprobieren. Irgendwann findet man schon das Richtige.“ Leicht gesagt für jemanden, der ohne Umwege in seine Traumkarriere gestartet ist. Aber Meret Baumann weiß, dass sie auch großes Glück hatte: „Ich habe mich getraut und es hat geklappt. Heute ist es natürlich schwieriger, einen Job in der Medienbranche zu bekommen, weil einfach weniger Stellen vorhanden sind.“ Trotzdem rät sie, Träume zu verfolgen und mutig zu sein, auch in der Medienbranche: „Einfach bewerben. Mehr als nicht klappen kann es ja nicht.“

Ein schlichtes „Wer gut ist, setzt sich durch“, wie Alexandra Föderl-Schmid es in Bezug auf die Medien als Arbeitsplatz formuliert hatte, hält Meret Baumann für zu kurz gehalten. „Das ist grundsätzlich schon so. Aber wer gut ist muss auch einmal eine Chance bekommen! Man sieht erst nach einer gewissen Zeit, ob jemand etwas drauf hat oder nicht. Das zu zeigen muss möglich sein“. Bei der NZZ fand jetzt gerade ein großer Wechsel statt, die Jungen die nachgekommen sind, beeindrucken sie: „Sie haben wirklich sehr viel am Kasten“. Vor allem die Frauen: „Bei den Guten sind die Frauen dann auch noch die Besten“, sagt sie stolz.

Stellen sind also rar, der Leistungsdruck groß. Mit der pessimistischen Ansicht Bernhard Heinzlmaiers stimmt Meret Baumann trotzdem nicht ganz überein: „Ich finde, dass es die Jugendlichen heute schwieriger haben als früher. Ja schon, als ich es hatte. Aber ich denke zum Beispiel nicht, dass die zukünftige Generation nicht mehr zwischen Gut und Böse unterscheiden können wird. Man hat ja eine gewisse Moral, die einem vor allem von den Eltern vermittelt wird. Die wird man nicht ganz verlieren.“ Diese Moral hält Baumann überhaupt für eine gute und nützliche Eigenschaft: „Mir fällt auf, dass vor allem soziale Kompetenz gefragt ist, um sich in der Arbeits- und Medienwelt behaupten zu können“.

In Wien fühlt sich Meret Baumann sehr wohl, nächstes Jahr möchte sie auch ein bisschen seltener heim fahren. Sie hat schnell Anschluss gefunden, Freunde, die allesamt nichts mit der Medienbranche zu tun haben. „Sehr angenehm“, sagt sie schmunzelnd. „Ich bin außerdem nicht so weit von zu Hause weg und hatte keine oder nur eine sehr kleine Sprachbarriere zu überwinden.“

Ein großer Unterschied zur Schweiz fällt ihr aber doch auf: „Ein Schweizer würde es niemals aushalten, politisch gesagt zu bekommen, was er zu tun und zu lassen hat. Bei den Österreichern habe ich eher das Gefühl, sie lassen die Anderen machen, vielleicht sogar um sich später darüber aufregen zu können.“ Österreichische Politikverdrossenheit auf den Punkt zusammengefasst.

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Fotocredit: Florian Lechner

Neben Politik schreibt Meret Baumann übrigens am liebsten über Themen, die Frauen betreffen. Letzten Sommer hat sie dann noch als Fußball-Begeisterte eine größere Geschichte über Red Bull Salzburg und Austria Salzburg gemacht. „Ich war am Nachmittag zuerst in einem Provinzstadion und abends in der riesigen Red-Bull-Arena. Ich stand da und dachte mir: ‚Das ist deine Arbeit’. Surreal war das. Aber auch sehr erfreulich.“

Grundsätzlich ist es für sie aber immer interessant, ein Gespräch zu führen. Vielleicht einmal mit Silvio Berlusconi, dessen Charisma sie seit ihrer Zeit in Italien fasziniert und  das sie gerne verstehen würde. Begeistert erzählt sie auch von der Recherche für einen Artikel über das weltgrößte Flüchtlingscamp in Dadaab, Kenia: „Solche Zeiten ändern deine Sicht auf die Dinge“.

Ihren größten Wunsch die Arbeit betreffend teilt sie mit einigen Journalisten: „Einmal dabei zu sein, wenn Geschichte passiert. Das wäre ganz groß für mich“.

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